Mein drittes Kind wäre am 02.12.2016 geboren worden.

Nach 2 Jahren des Kinderwunsches- jeden Hoffens- bei Unregelmäßigkeiten im Zyklus- und jedem positiven Denkens wenn dann die Periode kam.

„Beim nächsten mal“, „vielleicht hat sich der Eisprung verschoben“- bis hin zu mit meinem Körper stimmt was nicht, zu, mit ihm (meinem Mann) stimmt was nicht.

Dann endlich Ostern 2016! Ich war überfällig und fühlte mich auch schwanger, das war bei meinen ersten beiden Kindern auch so.

Wir waren grade mit unserer Gemeinde auf Osterfreizeit in Schwerin, und mein Mann und ich kauften einen Schwangerschaftstest, in unserem Jugendherrbergen Häuschen, wo wir als Familie alleine eingecheckt waren, machte ich den Test. Sofort war ein ganz deutliches positives Ergebnis ablesbar- mein Mann brauchte etwas um es zu realisieren, wir freuten uns riesig. Wir teilten es am Abend der Gemeinde mit. Alle freuten sich mit uns, denn sie wussten ja wie lange wir es schon probierten.

Zu Hause angekommen, vereinbarte ich gleich einen Termin bei meinem Gynäkologen, bei der Erstuntersuchung sah alles normal aus. Gebärmutterwand verdickt, eine kleine mini Blase (Fruchthöhle) war auch zu erkennen, Blut und Urinwerte waren wie bei einer „intakten Schwangerschaft“ (wie mein Arzt es nannte). 4ssw! Nicht schlimm das man weder Baby noch Dottersack sehen konnte, alles normal also! Fröhlich ging ich nach Hause und freute mich. In 4 Woche sollte ich wiederkommen und mir den Mutterpass abholen.

14 Tage später. Ich bekam leichte rostrot farbende Blutungen, ein krasser Grund zur Panik, ich sagte es meinem Mann, und fuhr zum Arzt. Bei der Ultraschalluntersuchung wurde sichtbar, das sich in der Gebärmutterschleimwand altes Blut abgelagert hatte, die Fruchthöhle hatte sich dennoch gesund weiter entwickelt, mein HCG Wert war weiterhin gestiegen. Mein Körper war noch voll schwanger. Ich sollte in ein paar Tagen wiederkommen.

Dunkle Wolken hingen an unserem glücklichen Elternhimmel. Mein Mann versuchte die ganze Zeit sich mit positiven Denken zu beruhigen. Mir war aber schon klar was das bedeutet.

Ein paar Tage später bestätigte sich bei einer erneuten Ultraschalluntersuchung, mein Verdacht der Fehlgeburt! Obwohl mein HCG Wert weiterhin gestiegen war. Die Fruchthöhle war leer. Ich wollte dem Arzt nicht glauben- der muss sich doch irren! Ich bin doch schwanger, alles fühlt sich schwanger an, Brüste, Bauch usw.

Ich vereinbarte einen Termin bei einer anderen Gynäkologin, die wird mir schon sagen das mein Baby gesund ist, einfach nur klein und versteckt. Zu klein für das Ultraschallgerät.

Ich saß grade an einem Samstag Vormittag in einem Treffen für die Gruppenleiter in der Gemeinde, als ich plötzlich merke wie Flüssigkeit aus mir herrausfloß. Eine unendliche Traurigkeit macht sich in meinem Herzen breit. Ich ging zur Toilette um zu überprüfen ob ich meine Schwangerschaft nun endgültig verloren hatte. Dieses mal war die Blutung etwas stärker, ich entschuldigte mich in dem Treffen und verabschiedete mich kurz dann ging ich zum Auto, wärend dessen rief ich meinen Mann an, ich wollte nicht allein ins Krankenhaus, darum fuhr ich zuerst nach Hause, um dann gemeinsam mit meinem Mann ins Krankenhaus zu fahren. (Alles sehr kurze Wegstrecken.)

Im Krankenhaus war beim Ultraschall auch bis auf die leere Fruchthöhle nichts sichtbar, die Ärztin Frau Dr. M. war sehr einfühlsam mit uns. Und sagte das sie in der 6ssw keine Ausscharbung machen möchte- das sie der „Sache“ noch eine Chance geben möchte sich zu entwickeln. Von Tod trauriger Gewissheit zu neuem Hoffnungsschimmer. Unser Baby hatte noch eine Chance?

Kurze Zeit darauf hatte ich den Termin bei der anderen Gynäkologin. Jetzt war es Gewissheit! Kein Baby in der Fruchthöhle. Ich verstand die Welt nicht mehr! Ich war doch schwanger! Mein Körper war schwanger! Meine Werte stiegen immernoch!

Mir kommen die Tränen wärend ich das hier schreibe.

Windei- so nennt man das! Es war kein dummes „Windei“- es war mein (emotionales)Kind! 4 Wochen lang war ich werdende Mutter! Mein Mann zum erstenmal werdender Vater. Wir lagen Abends im Bett und stellten uns vor wie es sein wird wenn wir zu fünft sind.

Ich fühlte mich betäubt und ohnmächtig, als hätte mir jemand ein Stück meines Herzens entrissen. Oder eines meiner Kinder erschossen. Dieses Kind war tot. Es wird nicht geboren, meine großen Kinder bekommen dieses Geschwisterchen nicht. Mein Mann wird sein erstes Kind niemals im Arm halten, ich werde niemals in die Augen meines dritten Kindes blicken und diese unendliche Verbindung spüren können, die eine Mutter mit ihrem Baby hat.

Ich werde nie Erfahren, zu was für einen besseren Menschen, mich dieses Kind, hätte reifen lassen. Diese Kind wird nie geboren, ich werde es nie kennenlernen.

Windei? Nein es war mein Kind!!!

Ich kann die gleiche Traurigkeit wie damals jetzt in diesem Moment auch fühlen. Ich liebte dieses KInd vom ersten Moment an wie meine anderen beiden Kinder, und werde es in meinem Herzen immer lieben. Ich hoffe sehr das ich es eines Tages im Himmel wieder sehen werde.

Und mein Körper? Er war weiterhin schwanger, mit allem Symtomen. Ich fühlte mich betrogen, verraten, ich war wütend und dann wieder unendlich traurig, völlig haltlos.

Ich nahm mir 10 Tage, 10 Tage mein Kind zu beweinen! 10 Tage für den schweren Verlust zu trauern. Das war das mindeste was ich für diesen Kind tun konnte. Was für ein Verrat an die Schöpfung es als „Windei“ zu betrachten. Was für ein Verrat an meinem Kind es nicht zu betrauern. 10 Tage ist nicht lang. Aber es musste reichen, meine Kinder brauchten mich, denn sie waren lebendig, mein Ehemann brauchte mich, auch er wollte trauern, wusste nicht wie und versteckte sich in Arbeit und ich bin zu dem Zeitpunkt Selbstständig gewesen und musste auch wieder in die Arbeit finden.

10 Tage!

An Tag 11 spielte ich mit meinem damals 8 jährigen Sohn sein lieblings Playstationspiel durch, und wir konnten gemeinsam lachen. Ich sprach mit meiner 14 jährigen Tochter darüber, sie konnte alles fragen, und wir haben gemeinsam geweint. An Tag 12 lagen mein Mann und ich uns weinend in den Armen.

Meine Trauer hatte Platz gehabt, unser niemals geborenes Kind, wurde mit ganz viel Liebe im Herzen verabschiedet.

Der Termin für die Ausscharbung war in der 9ssw. Frau Dr. M. war meine behandelnde Ärztin. Sie erklärte mir im Vorgespräch was in meinem Körper passiert war. Das es 2 verantwortliche Bereiche bei der Zellteilung für die Schwangerschaft gab. Einen für die Schwangerschaft (Hormone, Gebärmutter usw.) und ein Teil für das Baby. Und in meinem Fall habe sich der Teil für die Schwangerschaft total gesund entwickelt. Und der Teil für das  Baby? Der hat im Zellteilungsprozess an irgendeiner Stelle aufgehört sich weiter zu teilen. Jetzt hatte ich es verstanden. Und konnte mich auch mit meinem Körper aussöhnen. Ich durfte mir selber weiterhin vertrauen, mein Körper hat mich nicht belogen und auch nicht meines Babys beraubt.

Am Tag es Eingriffes mussten wir sehr früh im Krankhaus sein. Aber dort mussten wir dann aufgrund eines Notfalls den halben Vormittag warten. Mit uns war dort noch eine Frau, die auch darauf wartete das man ihr Kind ausscharbt. Sie war allein. Sie hatte mein ganzes mitgefühl. Aber ich merke sofort sie wollte mit sich und der Situation alleine sein. Also lies ich sie und versuchte nicht sie zu trösten- in so einem Moment kann auch nichts und niemand trösten! Es zerreist einen. Dort in diesem kleinen Raum zu sitzten und auf den Eingriff zu warten. Irgendwann kurz vor Mittag, kam ich dann in den Raum in den man zum Aufwachen wieder gebracht wird, mein Mann durfte dorthin nicht mitkommen, wahrschlich wegen den anderen Menschen dort. So lag ich da im Krankenhaushemd, in diesem Raum, zusammen mit anderen Menschen, die hinter ihren Vorhängen die zur Diskretion dienten, auf die verschiedenen Eingriffe warteten. Und mein Mann, er musste mit all seinen Gedanken nebenan sitzten und warten und warten.

Ich wusste nicht so recht wie ich die Zeit überbrücken sollte bis meine „Schwangerschaft“ entfernt werden würde. Ich sah wie der Anästhesist nach und nach die anderen Menschen abholte und auch zurück brachte. Zwischendurch musste ich immer wieder weinen. Die Zeit schien still zu stehen. Ich nahm mein Handy öffnete meine Bibelapp -you version- und es öffnete sich der Philipperbrief. Paulus schrieb ihn aus dem Gefängnis herraus an seine Lieblingsgemeinde in Philippi. Ich las alle 4 Kapitel, in diesem Buch der Bibel geht es um Freude. Mir war aber nicht nach freuen zu Mute. Ich las es dennoch, was sollte ich auch sonst tun, außer für meinen Mann zu beten, das sein Herz nicht zerbricht. Am Ende des Philipperbriefes, gibt Paulus ein entscheidendes Geheimnis über Freude preis. Er sitzt dort und wartet auf seiner Verurteilung. Und schreibt:“Ich freue mich, denn, ich will mich auch freuen.“

Als der Anästhesist kam um mich abzuholen, hallten mir diese Worte noch sehr nach. Eigentlich tun sie das bis heute. Und ich werde sie nie vergessen. Ich entschied mich, mich wieder des Lebens zu freuen. Was am Anfang noch schwer fiel.

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Nach einigen Wochen geschah etwas schlimmes, es passierte in meiner Ehe. Ich hatte versäumt mir jemanden zu suchen mit dem ich darüber sprechen konnte was mir wiederfahren war. Und Schuldzuweisung machten sich da breit wo vorher Trauer seinen Platz hatte. Wann immer ich erneut meine Periode bekam und wusste wieder nicht schwanger zu sein, brach zu Hause ein Hurrican von Streit durch unser Haus, Schuldzuweisung, Trauer, Wut, Enttäuschung, Schimpftiraden und Lieblosigkeit tanzten Hand in Hand durch meine Emotionalewelt. Mein Mann und ich hatten etwas entscheidenes vergessen. Wir hatten einander nicht vergeben. Wir hatten nicht über unsere Gefühle und Gedanken gesprochen. Wir stritten ständig. Nur zu Eisprungphase hin konnten wir liebevoller miteinander umgehen. Hoffnung und Enttäuschung bestimmten unsere Ehe. Es war ein schrecklicher Kreislauf der viele Verletzungen verursachte. Um etwas Klarheit in diesen Irrsinn zu bringen, lies mein Mann sich einen Termin beim Urologen geben um sich auf seine „Tauglichkeit“ untersuchen zu lassen- was für einen Mann ja eine echte Herrausforderung darstellte.

Ich versuchte mich durch Bildung und Sport wieder in mein ICH zurück zu befördern. Meine Identität nicht mehr von dem unerfülltem Kinderwunsch bestimmen zu lassen.

Wir machten als Familie wieder Ausflügen, gingen Klettern und machten andere Dinge.

Ich machte im Rahmen meiner Coach Ausbildung, Eigenreflektionsgespräche. Und bearbeitete dort auch die Fehlgeburt und dieses Gefühlschaos.

Danke!!! an dieser stelle noch mal an M.Z. aus T. die Gespräche mit dir haben mir sehr geholfen, „loszulassen“ und für ein neues Kind „offen“ zu werden.

Wir beschlossen um einander wieder näher zu kommen, als Familie, im November nach Sankt Peter Ordingen zu fahren und dort ein Wochenende zu verbringen und uns wieder auf das zu besinnen was wichtig ist. Um etwas Heilung in unsere Ehe und Familie zu bringen.

Es gelang uns! 2 Wochen später bekam ich meine Periode nicht! Ich wollte dieses mal etwas warten bevor ich einen Test machte. Funktionierte nicht. Ich kaufte einen Test nach der Arbeit und lies ihn noch einen Tag liegen, am nächsten Abend, als ich 3 Tage überfällig war, traute ich mich endlich den Test zu machen. Mein Mann wartete ungeduldig im Schlafzimmer, wieder zeigte der Test sofort ein positives Ergebnis. Ich ging zu meinem Mann mit dem Test in der Hand, ich konnte gar nicht sprechen, 1000 Gedanken jagten mir durch den Kopf und 100 verschiedene Gefühle überrannten mich. Ich sah meinem Mann in die Augen und sah wie er zwischen Freude und Angst hin und her gerissen war. Ich fing an zu weinen, vor Freude, vor Erleichterung und vor Angst!

Was ist wenn alles von vorn began? Was ist wenn wir wieder ein Kind „verlieren“? Ich versuchte mich zu freuen aber jedesmal wenn ich voll Liebe und Zuversicht meinen Bauch streichelte und mit meinem Baby sprach, überkam mich ein schlechtes Gewissen, dem Baby gegenüber das am 02.12.2016 geboren werden sollte. An diesem Tag war es besonders schlimm.

Am 21.12.2016 sah ich das Herz meines Baby schlagen, ganz kräftig und rhytmisch. Irgendwas auf dem Ultrschall sah im vorbei huschen komisch aus, wie eine kleine Seifenblase. Und dahinter war mein Baby, es lebte! Voller Dankbarkeit im Herzen ging ich aus dem Untersuchungszimmer, glücklich sahen mein Mann und ich uns an- geschafft! Ein lebendiges Kind! Wir werden Eltern von einem gemeinsamen Kind.

Am 17.01.2017 hatte ich einen neuen Termin bei meiner Gynäkologin, meine Werte waren alle in bester Ordnung. Die kritische Zeit der ersten 3 Monate fast geschafft. Doch wärend des Ultraschalls, konnte ich sehen was diese „Seifenblase“ war, ich war schwanger mit Zwillingen! Wow! Für den Bruchteil einer Sekunde schoßen mir soviele kurze Impulse durch denk Kopf. „Wie schön, doppeltes Glück“ und „schaffe ich das mit 2 Babys“. Im nächsten Moment verebbten alle meine Gedanken in eine Stille im meinem Kopf, so dass ich meinen Herzschlag wie einen dröhnenden Donnerschlag wahrnahm, der als ohrenbetäubendes Surren alles in meinem Kopf blockierte. Ich sah auf den Ultraschall, dann in das Gesicht meiner Ärztin die, die Untersuchung abbrach, zum Schreibtisch auf ihrem Hocker rüberrollte und fragend im meinem Mutterpass blätterte. Aber ich hatte die Antwort auf ihre Frage schon gesehen. Ein Kind war gestorben. Es war in dem „Seepferdchen“ Status stehen geblieben. Meine Ärztin sprach mit mir, aber ich konnte nicht verstehen was sie sagte, vor meinem inneren Auge sah ich mein Seepferdchen- regungslos, wie ein Fossil. Sie setzte die Untersuchung fort und ich sprach abwesend mit ihr. Mein Mund formte Worte deren Bedeutung sinnlos erschien.

Ich hatte erneut ein Kind verloren! Wie sollte ich das meinen Mann erklären? Wie sollten wir das erneut überstehen? Wo sollten wir neue Kraft schöpfen? Wie sollten wir uns über das lebendige Kind freuen? Wird dieses Kind wissen das ein Zwillingskind war? Wird unser Kind das Gefühl haben das ihm etwas fehlt? Ich weiss doch aus sovielen Reportagen das Zwilinge diese besondere Verbindung haben! Wann fängt die an? Leidet mein Baby grade unter dem Verlust? Fragen über Fragen!!!

Ich starrte auf den Monitor, auf den Herzschlag meines lebendigen Kindes! Alles um mich herum war soweit weg. Dieses Kind lebte!!! Dieses Kind werde ich zu Welt bringen! Es lebt! Es ist gewachsen, zwar kleiner als der Durchschnitt- laut irgendeiner Richttabelle die Ärzte zur Errechnung der SSW verwenden. „Aber ich weiss doch wann mein Kind entstanden ist! In Sankt Peter Ordingen, Samstags! Ich weiss es ganz genau, deswegen ist mir scheiss egal was ihre Tabelle sagt“-„Mit diesem Baby ist alles in Ordnung machen sie mir doch nicht noch mehr Angst“, wollte ich los schreien. Doch alles was mein Mund an Worten formte war:“Aber dieses Kind lebt“, „was passiert mit dem nicht lebenden Kind“ und „ist es ein Risiko für das lebende Kind“? Sie klärte mich über alles auf, es war kein Eingriff nötig, das verstorbene Embryo würde mit der Gebärmutter verwachsen und mit der Nachgeburt ausgeschieden. Sie sprach als ob mein verstobenes Kind ein Ding wäre. Ein abgestorbener Fremdkörper der kein Risiko darstellt. „Nur noch raus hier“, dachte ich.

Völlig neben mir verließ ich die Praxis und fuhr in die Gemeinde, es war ein Dienstag, Dienstags leite ich dort immer den Sisterhood. (Erst funktionieren, dann Leben! Schön vom System eingeprägt). Ich betete und weinte auf den Weg dorthin. Angekommen wischte ich mir die Tränen aus dem Gesicht, setzte mein, es geht mir gut Lächeln auf- nicht weil diese Methode mein Naturell entspricht, sondern aus der Hilflosigkeit herraus. Ich wusste nicht wie ich damit umgehen sollte und ich hatte noch nicht mit meinem Mann gesprochen, natürlich rief er mich genau in diesem Moment an, er machte sich sorgen, weil ich ihn nach dem Termin nicht anrief, er fragte:“Geht es dir und dem Baby gut?“, ich sagte:“Ja.“ und würgte ihn ab, mit den Worten:“Ich habe ein neues Ultraschallbild und heute Abend sehen wir es uns gemeinsam an.“ Ich weiss heute ehrlich gesagt nicht mehr ob ich an diesem Dienstag oder am Dienstag darauf im Sisterhood mit meinen Freundinnin darüber sprach.

Aber als ich an diesem Abend nach Hause kam und die Kinder abends ins Bett gingen, erzählte ich es meinem Mann. Er versuchte es „Gut“ zu reden um mich zu trösten. Ich wollte ihn ohrfeigen, damit er damit aufhörte und fühlte was uns da grade passierte. Wir wussten vorher nicht das es Zwillinge waren, auch wenn ich das durch die besagte Seifenblase dachte aber dann wieder verdrängte, immerhin hatte meine Ärztin bei der Erstuntersuchung nichts von Zwillingen gesagt und wir haben auch nur ein Baby gesehen.

Ich spürte regelrecht wie mein Herz einfrorr, in schockstarre verfiel, als mein Mann realisierte was geschehen ist, weinten wir zusammen. Für dieses Baby. Für einen weiteren Menschen den ich nie kennenlernen werde.

Die nächsten 4 Wochen waren eine Zeit des Trübsals. Nicht im biblischen Ausmaßes, aber dennoch in meinem Herzen. Wie sollte ich mich jetzt noch freuen, das wäre Hochverrat an beiden verlorenen Kindern! „Lieber Paulus, kannst du mal bitte herkommen und mir erzählen wie ich mich jetzt noch freuen soll??? Ohne Schuldgefühle??? Ohne Angst??? Kannst du das Paulus? Und was ist mit dir Gott? Ich bin doch dein geliebtes Kind, sagt die Bibel, im Jesajabrief steht, du wirst mich trösten, wie eine Mutter einen tröstet! Also tröste mich doch endlich Gott, nimm diese Trauer, hilf mir meinen Verlust anzunehmen“-100te Bibelverse fielen mir ein, wie Gott auf dieses Gebet antwortet. Aber das reichte mir nicht! Ich wollte mehr.

Und Gott ist so genial.

Am Sonntag darauf kam nach dem Gottesdienst ein sehr liebe Frau aus der Gemeinde auf mich zu uns sagte mir.“Jessica, ich hab das Gefühl ich muss dir etwas sagen- alles wird gut!“Da war meine Antwort, mein Trost. Meine Gewissheit, ich musste es nur noch annehmen. Wir unterhielten uns eine Weile und sie erzählte mir von ihren 3 Fehlgeburten und das sie danach noch Kinder bekam. Ich sagte ihr wie ich mich fühlte und das ich mich nicht freuen konnte. Wir sprachen darüber das Worte uns beeinflussen, und sie gab mir einen unbezahlbaren Rat, der den Rest meiner Schwangerschaft komplett veränderte. Sie sagte als sie das vierte mal schwanger wurde, sprach sie mit ihrem ungeborenem Baby, und sagte zu ihm:

„Der Herr freut sich über dich, und weil der Herr sich über dich freut, freue ich mich mit ihm über dich!“

Als wir aus der Gemeinde nachmittags nach Hause fuhren, fing ich gleich damit an, genau diese Worte zu meinem Baby zu sprechen, es dauerte kaum ein paar Tage da sprudelte ich vor Freude über. Ich kaufte eine Babywiege und baute sie auf, und jedesmal wenn ich davor stand stellt ich mir vor wie unser wunderschönes Baby darin liegen würde.

Die restliche Schwangerschaft hat noch viel spannendes zu erzählen aber für heute beende ich diesen Blog. Aber das Ende verrate ich euch noch.

Unsere Tochter E. kam am 07.08.2017 um 0:25 h mit einer Größe von 50 cm und einem Gewicht von 2980 gramm, spontan und ohne äußerem Eingreifen, ganz selbstbestimmt in Beckenendlage zur Welt.

In meinem nächsten Blog erzähle ich euch mehr davon.